7 Ratschläge, um deinen Söhnen ein willkommener Vater zu sein

Wie viele von euch wissen, habe ich zwei Söhne – und in der Tat kenne ich auch nichts anderes, als ständig von Jungs umgeben zu sein – mit Ausnahme von meiner Mutter und meiner Frau. Ich habe vier Brüder und eigentlich fast nur Cousins (okay, es gibt wenige Ausnahmen). Frauen haben es in unserer Familie schwer – wir Männer sind einfach in der Überzahl. Ich kenne mich mit dem Erziehen von Mädels also eigentlich nicht aus.

Umso interessierter habe ich den Beitrag von Ron Edmondson gelesen, der selbst Vater zweier Söhne ist. Sie sind mittlerweile erwachsen, und die Erziehungsphase ist auch schon seit einiger Zeit vorbei – aber gerade deshalb, und weil er kein Grünschnabel ist wie ich es einer bin, wollte ich hören, welche sieben Tipps er aus seiner eigenen Erfahrung und aus seinem Leben er mir als Vater zweier Söhne mitgeben kann. Und was er sagt, betrifft mich! Vielleicht ja dich auch…


Artikel vorlesen:

Ich werde oft gefragt, ob ich Ratschläge hätte, die die Erziehung von Mädchen betrifft. Die habe ich zwar, aber sie beinhalten alle mindestens ein Gewehr und knielange Röcke… möglicherweise wollen Sie diese also nicht wirklich hören. Spaß beseite- ich wollte eigentlich schon immer eine Tochter, aber Gott hat mir Söhne gegeben. Und stellen Sie sich vor: Ich denke er wusste, was er tat.

Jungen sehnen sich nach Weisheit.

Dadurch dass ich Jungen aufgezogen habe, habe ich für meinen geistlichen Dienst für Männer einiges dazugelernt. Auch mich selbst habe ich dadurch besser verstehen können. Mir wurde vor allem deutlich, dass Jungen nach Weisheit streben. Sie sehnen sich geradezu danach. Sie wollen jemanden haben, der in ihr Leben hineinspricht und sie davor bewahrt, die falschen Entscheidungen zu treffen.

Aber – und das ist genauso wahr – oft sind sie zu scheu, um nach diesen Ratschlägen zu fragen – oder sie kommen nicht selbst auf die Idee, es zu tun (Jemand sagte mir mal, dass Männer einfach auch eher selten nach einer Wegbeschreibung fragen, aber irgendwie glaube ich das nicht so wirklich 😉 )

Meinen mittlerweile erwachsenen Söhnen stehe ich sehr nahe. Wir sind gemeinsam durch ein gutes Stück Leben gegangen – durch ihres und durch meines. Sie stehen auf eigenen Füßen, haben erfolgreiche Karrieren und leben beide ein gesundes und produktives Leben. Sie haben für die Menschen um sie herum viel Liebe übrig. Das beste ist aber, dass sie beide Jesus lieben und ihm nachfolgen. Als Vater könnte ich nicht stolzer auf sie sein.

Ich bin dankbar dafür (und das ist auch das Thema dieses Beitrags), dass sie mich immer noch um Rat fragen, wenn es um wichtige Entscheidungen in ihrem Leben geht.

Als ich in ihrem Alter war, hatte ich keine besonders gute Beziehung zu meinem Vater. Für meine Söhne habe ich mir aber eine Art der Beziehung gewünscht, in der sie sich immer willkommen fühlen können, und in der sie von meiner Erfahrung lernen können. Es ist ein Segen, dass sie mich oft anrufen, in manchen Lebenssituationen sogar täglich, damit ich Ihnen bei wegweisenden Lebensentscheidungen weiterhelfe. Das ist ein Segen, den ich nur Gottes Gnade zuschreiben kann.

Vater und Sohn im Heufeld

Qualitäts-Zeit Vater & Sohn (Bildquelle für oberstes Bild: http://inspire-others.com/father-son-cost-hour-time)

Und dennoch beobachte ich manchmal, dass sie nicht immer zugeben wollen, dass sie gerade Hilfe brauchen. Da ist etwas in jedem Mann, das ihn davon abhält, um Hilfe zu bitten, sogar dann, wenn Hilfe von außen wirklich nötig wäre.

Nun also zur Frage dieses Beitrags:

Was kannst du tun, damit deine Söhne deinen Rat aufsuchen wollen, selbst nachdem sie das Elternhaus schon lange verlassen haben?

Ratschlag 1: Tue, was sie tun wollen

Ich habe viel Zeit mit meinen Jungs verbracht, aber ich bin dabei von ihren Interessen ausgegangen. Egal ob es Baseball oder Wrestling war – ich habe gelebt und geliebt, was sie geliebt haben. Ich kenne Väter, die ihre Söhne dazu bringen wollen, zu fischen oder zu golfen, weil sie gerne fischen und golfen. Ich habe es einfach so gemacht, dass ich ihre Interessen zu meinen gemacht habe.

Ratschlag 2: Bleibe nahe an Ihnen dran

Jungs wachsen auf, um einmal Männer zu werden. Das klingt einleuchtend, aber du solltest immer daran denken, denn es ist wichtig: Jungs wollen unabhängig sein. An manchen Tagen wollen sie dich nicht so sehr um sich herum haben wie an anderen (Das klingt verlockend, wenn sie als Kleinkinder oft krank und nervtötend sind, aber glaube mir: Du wirst es vermissen). Ich habe immer versucht, gerade so weit weg zu sein, dass ich zur Stelle war, wenn sie bereit für mich waren. In Epheser 6 heißt es, dass wir unsere Kinder nicht verärgern oder sie gegen uns aufbringen sollen. Ich habe versucht, ihnen in ihren Wachstumsphasen nicht im Weg zu stehen, aber gleichzeitig immer da zu sein, wenn es nötig wurde. Ich habe festgestellt, dass ich auf diese Weise mehr „gebraucht“ wurde. Und irgendwie ist es auch lustig: Es scheint, als ob sie immer wieder getestet haben, ob ich auch wirklich da sein würde, wenn sie mich gerufen haben.

Ratschlag 3: Sei voll und ganz anwesend

„Papa, leg dein Handy jetzt weg!“ Ich habe zugehört.

Wie bei allen Männern gab es auch bei mir immer tausende Sachen, die ich hätte tun können. Ich habe versucht, die gemeinsame Zeit mit meinen Söhnen auch immer eine „gemeinsame Zeit“ sein zu lassen. Kinder merken, wenn wir nicht wirklich aufmerksam sind. Es gab Zeiten, als meine Jungs mir sagten, dass ich mein Handy weglegen solle. Ich habe zugehört. Ich wollte immer, dass sie das Gefühl hatten, dass ich zuhörte, wenn ihnen etwas wichtig war. Wenn meine Söhne Fußball oder Baseball spielen wollten, habe ich mitgemacht, egal wie müde ich vom langen Tag war. Und es ist wirklich erstaunlich, um wie viel stärker sich ein Junge in ein Gespräch einbringt, wenn ein Ball involviert ist!

Ratschlag 4: Biete Weisheit statt nur Lösungen

Dies ist ein wichtiger Punkt. (Ich habe das etwas deutlicher in diesem Beitrag erklärt.) Ich habe versucht, meinen Jungs dabei zu helfen, selbst eine Antwort zu finden, anstatt dass ich ihnen immer selbst die Antwort gegeben habe. Ehrlich gesagt ist das natürlich schwieriger. Es ist einfacher, etwas schnell selbst zu machen. Kurz antworten und weitermachen. Das Problem kurz lösen. Aber dadurch werden sie nicht wachsen. Sie lernen dadurch nur, dich als eine Krücke zu gebrauchen, anstatt sich zu selbstständigen jungen Männern zu entwickeln. Jungs wollen ihren eigenen Weg finden. Sie lösen gerne das das Geheimnis, suchen sich neue Wege und entdecken selbst Antworten auf ihre Fragen. Ich wollte zwar, dass sie immer den Zugang zu mir hatten, um aus meiner Erfahrung zu schöpfen. Aber ich wollte auch, dass sie fähig sein würden, weise Entscheidungen ohne mich zu fällen.

Vater & Sohn (Bildquelle: http://imgkid.com/father-love-son.shtml)

Vater & Sohn (Bildquelle: http://imgkid.com/father-love-son.shtml)

Ratschlag 5: Liebe und schätze ihre Freunde

Meine Jungs wussten, dass ihre Freunde stets willkommen in unserem Haus waren. Sie wussten, dass ich ihnen selbst am Samstag morgen einen Haufen Pfannkuchen machen würde. Sie wussten auch, dass wir unseren Kühlschrank mit allen Getränken auffüllen würden, die ihre Freunde gerne trinken – nur für den Fall, dass unser Haus der auserwählte Treffpunkt für den Abend werden würde. Sie wussten, dass unsere Türe immer weit offen für alle stand, die sie mitbringen würden. Ehrlicherweise muss man natürlich sagen, dass wir nicht immer damit einverstanden waren, welche Freunde sie sich ausgesucht hatten. Aber wir haben mit ihnen darüber geredet und versucht, sie zu besseren Freunden zu lenken. Niemals haben wir jedoch Freunde von ihnen weggeschickt oder ausgeladen. Das bewirkte folgende zwei Dinge: Es hat ihre gute Herzenseinstellung uns gegenüber bewahrt. Zweitens hat es ihnen geholfen, das Prinzip der Gnade zu verstehen. Über die Zeit konnten sie selbst erkennen, welche Freundschaften gut waren und welche nicht, indem wir Weisheit in viele andere Bereiche ihres Lebens hineingebracht und sie diese gelehrt haben.

Ratschlag 6: Setze klare, feste Grenzen

Jungen brauchen Strukturen.

Unser Haus war stets von Liebe gekennzeichnet, aber Jungen brauchen Strukturen. Lass‘ mich das wiederholen, bevor jemand verletzt wird – Jungen BRAUCHEN Strukturen. Sie brauchen jemanden, der ihnen deutlich sagt, dass sie mit ihrer Mutter nicht so umgehen können, wie sie es gerade getan haben. Sie brauchen jemanden, der ihnen deutlich macht, dass die schulischen Leistungen nachlassen – und sie aber auch dafür verantwortlich macht, dass sie es besser machen werden. Jungen müssen wissen, dass es jemanden gibt, der sie auch zur Seite nimmt und diszipliniert, wenn sie falsch gehandelt haben – und sie müssen wissen, dass du in dieser Disziplin gleichmäßig und beständig bist.

Ratschlag 7: Lasse sie entdecken und erforschen

Die meisten Jungs nehmen gerne ein Risiko in Kauf. Wenn sie es nicht mehr tun, liegt das meistens daran, dass wir es ihnen nur ausgetrieben haben. Es ist angeboren. Jungen haben oft ein schmutziges Mundwerk und werfen hin und wieder Scheiben und Lampen mit Bällen ein. Sie pinkeln an Stellen hin, wo man sich es nicht einmal im Traum vorstellen kann. Sie springen irgendwo herunter und enden ein- oder zweimal in der Notaufnahme. Aber das gehört dazu, wenn man ein Junge ist. Es geht um’s Entdecken und darum, Mut und Glauben zu gewinnen. Und um die Fähigkeit, ein Mann zu werden. Natürlich gibt es eine Grenze. Ich war nicht so gut darin, diese Grenze zu setzen. Stoppt man sie nicht, fallen ihnen immer größere Dummheiten ein –  aber man sollte sie dennoch Jungs sein lassen. Das schließt auch ein, dass sie entdecken und erforschen dürfen – und das ist ein Hinweis an Väter UND Mütter!

Es gibt sicher weitere Dinge, die ich nennen könnte, aber ich belasse es mal bei diesen sieben. Fakt ist: Wenn du Jungen aufziehst, musst du entweder irgendwo einen Streit beenden oder sie davon abhalten irgendwo herunter zu springen…

Welche Ratschläge hast DU für die Erziehung von Jungs?

Bildquelle für oberstes Bild: http://inspire-others.com/father-son-cost-hour-time/