Der Mensch denkt, aber Gott lenkt – Einleitungspredigt zu Sprüche 16,9

geschrieben von Albert Brückmann am 13. September 2014 in Ansprachen & Vorträge | Druck-Ansicht | Präsentation

Oft stehen wir auf unserem Lebensweg an Gabelungen und wissen nicht, welchen Weg wir nehmen sollen. Vor allem im Hinblick auf die Zukunft, und das, was man gerne einmal tun will, fällt es oft schwer, gerade das zu finden, was genau zu einem selbst passt. Es geht aber auch um vermeintlich einfache Entscheidungen, die wir täglich fällen – manchmal können sie wegweisend sein und unser Leben nachhaltig verändern.

In Sprüche 16,8 lesen wir:

Das Herz des Menschen denkt sich seinen Weg aus, aber der Herr lenkt seine Schritte.

Lasst uns das Mal im Hinblick auf die Gemeinde-Mitarbeit ansehen.

In jeder Gemeinde gibt es Dienste, die gemacht werden können. Ich zähle mal ein paar auf, die wir schon gut kennen:

  • Reinigung des Gemeindehauses und des Geländes (wenn es dafür keine angestellte Reinigungskraft gibt, machen die Gemeindemitglieder es auch selbst)
  • Leitung und Durchführung der Gottesdienste, Bibelstunden und anderen gemeinschaftlichen Treffen (Seniorentreffen, Mutter-Kind-Treffen, Ausflüge usw.)
  • Vorbereitung und Durchführung von Kinder-, Teenie- und Jugendstunden
  • wirtschaftliche und organisatorische Leitung der Gemeinde (Finanzen, Investitionen, Instandhaltung)
  • geistliche Leitung der Gemeinde (Aufbau von Jüngerschaften, Kümmern um Zielgruppen, Planen von Veranstaltungen mit Rednern, usw.)
  • musikalische Dienste wie Liedbegleitung oder Gesang

Daneben gibt es Dienste, die nur wenige Leute kennen, weil sie seltener gemacht werden oder wenige darüber reden:

  • Mitglieder-Verwaltung, z.B. im Telefonbuch, auf dem Geburtstagskalender
  • Verwaltung und Einplanung von Predigern und Predigten für Gottesdienste und Gebetstunden (Alle Prediger bekommen regelmäßig eine genaue Einteilung, die gemacht werden muss)
  • Besuchsdienste bei Mitgliedern aus der Gemeinde, einfach nur zum Reden oder auch um gemeinschaftliche Aktivitäten durchzuführen
  • Arbeit nach Innen (Seelsorge-Arbeit, Pflege vertrauensvoller Beziehungen (Zweierschaften), Eigenstudium, um die Gemeinde bibeltreue Lehre bringen zu können)
  • Arbeit nach Außen (Plakat- & Flyererstellung, Website-Pflege, Zeitungsarbeit usw)
  • Dienste am Computer und der Tontechnik, aber auch Beleuchtung und Lüftung und Ordnungen anderer Art
  • Kochdienste zu bestimmten Veranstaltungen (Die Männer bekommen hier eher weniger mit, das machen die Frauen oft unter sich aus)
  • Kommunikation mit Behörden und anderen Stellen

Welcher Dienst ist der richtige für dich?

Es gibt noch weitaus mehr Dienste, die gemacht werden müssen, damit eine Gemeinde gut funktionieren kann. Für jeden Dienst braucht es aber eben auch einen Diener. Die Frage ist nur: Welcher Dienst ist der richtige für dich? Hast du schon den Dienst gefunden, in dem du richtig gut aufgehen kannst? Hast du das Gefühl, diesen Dienst gern und gut zu machen? Wurde dir vielleicht sogar von anderen schon bestätigt, dass du genau die richtige Person für diese Aufgabe bist?

Auch das Gegenteil könnte möglich sein: Bist du selbst unsicher, ob du passend für diesen Dienst bist? Hier gibt es Abhilfe: Frage einfach deine Vertrauensperson oder jemand anderen, von dem du dir sicher bist, eine ehrliche Meinung zu bekommen. Und wenn es dir niemand sagen kann, überlege dir, was passieren würde, wenn du mit dem Dienst aufhören würdest: Würdest du als Person, nicht nur als Arbeitskraft, an dem Ort fehlen?

Es wäre sicherlich sehr traurig zu merken, dass niemandem etwas fehlen würde, wenn man nicht mehr da ist – aber auf der anderen Seite sehe ich darin auch eine Chance, sich auf einem neuen Aufgabengebiet zu versuchen, bei dem es vielleicht an Helfern noch deutlich mehr mangelt.

Vor drei Jahren ist unsere Nachbarin nach Darmstadt umgezogen. Weil sie selbst nur auf Krücken gehen konnte (und das musste sie immer bis in den dritten Stock), konnte sie nichts selbst in den Umzugs-LKW laden und bat mich, ihr dabei zu helfen. Natürlich sagte ich zu und war an dem Samstag dann auch vor Ort. Aber was meint ihr, was da los war? Die ganze Wohnung war so voller Menschen, die mithelfen wollten, dass es kaum möglich war, irgendetwas durch das Treppenhaus zu tragen, weil auf jeder Etage irgendwer im Weg stand. Es klingt zwar komisch, aber es waren einfach zu viele Leute zum Helfen gekommen!

Das eigentliche Ziel, also den LKW voll zu laden, war nicht mehr möglich, weil man sich ständig im Weg stand. Man hat das Problem dann so gelöst, dass bei großen Schränken erst das Treppenhaus leer sein musste, bevor sich dann zwei oder drei Männer auf den Weg machten. Wären weniger Leute da, gäbe es diese Probleme nicht.

Es kann also durchaus sein, dass man zwar den guten Wunsch hat, behilflich sein zu wollen – aber dann am Ende nur im Weg steht. Besser, man nimmt sich etwas anderes vor. Genau so kann es auch in der Gemeinde sein: Man will helfen, ist aber am Ende eher eine Last, weil die Arbeit nicht vorangehen kann. Wenn dir das auffällt oder es dir jemand sagt, sei nicht enttäuscht. Denke daran: Geht es um mich – oder geht es um das Ziel? Ich bin mir sicher, dass es eine Arbeit gibt, bei ich vielleicht mehr gebraucht werde.

Laut dem oben genannten Vers aus den Sprüchen denkt sich der Mensch seinen Weg, aber Gott lenkt ihn schlussendlich. Wie beziehen wir das auf die Suche nach dem passenden Dienst? Wie findet man seinen Platz im Reich Gottes? Es gibt wirklich Menschen, die jahrelang nur Gottesdienstbesucher sind und auf eine Stimme hoffen, die ihnen vielleicht auf übernatürliche Art sagt, was sie tun sollen. Und wenn das nicht passiert? Wäre das Leben dann nicht vergeudet? Wären Talente dann nicht vergraben worden?

Wage den Schritt

Ich bin der Meinung, dass jeder, wirklich jeder, einen passenden Dienst (also nicht nur irgendeinen, der vielleicht gar nicht passt) für sich finden kann. Der Schlüssel dazu liegt im Spruch

„Wage den Schritt und finde es heraus!“

Als ich noch jünger war, bekam ich oft zu hören, dass Gott etwas mit uns allen vorhat. Auch mit mir hat Gott etwas vor, das wurde mir immer wieder gesagt. Ich wusste selbst nicht, was das war – aber ich fing an, verschiedene Dinge einfach auszuprobieren. Glücklicherweise hatten meine Eltern damals richtig gehandelt, als sie mich zwangen, weiterhin in die Musikschule zu gehen, obwohl ich nicht mehr Klavier spielen wollte (meinen Bruder haben sie allerdings aus dem Klavier-Unterricht rausgenommen – er ist jetzt dafür ein begabter Gitarrist geworden). Erst im Alter von 16 Jahren begann ich, den Sinn und die vielen Vorteile zu verstehen, der in der Beherrschung von Noten und Instrumenten steckte.

Irgendwann probierte ich es aus, in der Gemeinde ein Lied zu singen, ganz alleine, da war ich noch 8 Jahre alt, und es klappte irgendwie nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Aber langsam und mit regelmäßiger Übung wurde es besser. Heute bin ich froh, dass ich dadurch in der Lage bin, Leute beim Singen zu unterstützen, und es macht mir Spaß!

Manchmal ist der richtige Zeitpunkt noch nicht gekommen.

Nach meiner Taufe wurde ich darauf angesprochen, ob ich nicht mal eine kurze Predigt halten möchte. Weil es mit dem Reden damals noch viel viel schwerer ging als heute, ließ ich diesen Dienst aber nach der zweiten Predigt fallen. Es war einfach nicht das richtige für mich zu diesem Zeitpunkt. Das konnten andere besser, ich mühte mich nur ab. Als ich dann sagte, dass dies vorerst meine letzte Predigt sei, waren einige traurig, aber ich wusste für mich ganz genau: Solang es mit dem Reden nicht besser wird, ist dieser Dienst nichts für mich. Obwohl mich die Leute also schon vorne gesehen hatten, ging ich wieder einen Schritt zurück. War das falsch? Ich denke nicht. Ich hatte es zumindest probiert. Vielleicht sah es wie ein Fehler aus (denn ich hätte ja wissen können, dass es nicht klappt), aber es war kein Fehler für mich.

Genauso kann es dir gehen: Vielleicht hat man dich zu einem Dienst eingeladen, aber aus irgendwelchen Gründen, die andere vielleicht nicht immer nachvollziehen können, ist dieser Dienst nichts für dich. Dann lautet mein Rat: Quäle dich nicht weiter, sondern suche dir einen neuen Dienst. Steige aber nicht komplett aus, wie es manche auch machen – sondern beteilige dich weiter und geh den nächsten Schritt, denn nur so findest du das, das genau zu dir passt.

Man kann sich im Leben viel vornehmen. Aber es ist wie mit jeder guten Idee: Die Idee alleine ist noch nichts wert. Viele Leute haben Ideen. Erst der, der aus der guten Idee etwas Wirkliches macht und sie in die Tat umsetzt, wird Erfolg haben können.

Habe keine Angst davor, Fehler zu machen. Geh voran, dreh dich auch um, wenn es sein muss und ändere deinen Weg. Tu alles im Vertrauen darauf, dass Gott deinen Weg lenkt, auch wenn du vielleicht anders denkst – dann wird Er dich führen.


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