Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft…

Der folgende Beitrag ist ein Zeugnis einer persönlichen Gebetserhörung von mir im Zusammenhang mit einem Erlebnis in letzter Zeit. Alles begann eigentlich schon vor zwei Jahren, als meine Frau und ich uns überlegten, dass es an der Zeit wäre, bald umzuziehen. Zu viert wurde es uns in unserer Drei-Zimmer-Wohnung einfach mit jedem Tag enger. Alles spielte sich im Wohnzimmer ab, egal ob essen, schlafen, spielen, bügeln oder Gäste unterhalten. Weil Benny nicht gut mit Johnny in einem Zimmer schlafen konnte, belegte er nachts unser Schlafzimmer – wir waren aufs Wohnzimmer ausgewichen und bauten jeden Abend das Sofa zum Bett um – mehr als ein Jahr lang ging das so.

Nachdem wir uns nicht einmal sicher waren wohin es uns wohnmäßig verschlagen würde (wir waren bereit, bis zu 100 Kilometer weiter südlich Richtung Stuttgart zu ziehen), mehrmals einige Musterhaus-Ausstellungen besucht hatten, uns immer wieder Immobilien-Scout Angebote von diversen Makler zeigen ließen, waren wir schlussendlich doch nie wirklich zufrieden mit der Gesamtsituation.

„Gott, wo willst du uns haben?“

Weil wir nicht wussten, ob wir hier bleiben oder Mosbach verlassen sollten, machten wir dies zu einem ständigen Gebetsanliegen: „Gott, wo willst du uns haben?“ Die einzige Antwort erhielten wir immer wieder nur darin, dass wir in der Gemeinde, in der wir derzeit aktiv sind, stark gebraucht werden. Sicherlich würde man auch ohne uns zurecht kommen. Aber ich merkte, dass es grundlegend zu meinen Aufgaben gehört, den Chor, die Jugend und anschließend die Teenies zu führen, in der Gemeindeleitung und beim Predigt-Dienst aktiv zu sein und die Medien-Arbeit der Gemeinde zu lenken. Weil sowieso schon die meiste Arbeit auf wenigen Schultern lastet, würde es der Gemeinde wohl einen spürbaren Stoß verpassen, wenn wir gehen würden.

Wie gewonnen, so zeronnen

Im Januar 2014 erlebten wir eine herbe Enttäuschung. Wir hatten bereits ein ansehnliches Haus in Mosbach gefunden, waren uns mit der Verkäuferin einig und der Notartermin war ausgemacht. Die Verkäuferin war sogar so weit gegangen, uns als Familie einzuladen und Johnny „sein neues Zimmer“ zu zeigen, von dem er natürlich begeistert war. Über Nacht bekam ich dann eine E-Mail mit dem Inhalt, sie habe sich anders entschieden und werde das Haus ihrer Nachbarin verkaufen. Wir konnten es nicht fassen. Ein ganzes Jahr lang hatten wir gesucht und nun das… alles von vorne? Wir ließen das Hausprojekt zwei Monate ruhen, bevor wir wieder suchten.

Im Juni dann, etwa fünf Besichtigungen später, unterzeichneten wir beim Notar der Kaufvertrag für ein kleines Häuschen – wieder in Mosbach. Wir hatten irgendwie unseren Frieden mit „unserer“ Stadt gemacht. Nachdem ich hier auch gleichzeitig einen Freundeskreis außerhalb der Gemeinde hatte aufbauen können, erschien es mir als nicht die schlechteste Option. Zudem war ich gerade dabei, mit PCproblemlos immer fester Fuß zu fassen. Das Haus wurde jedoch noch von einem Mieter bewohnt, den wir bereitwillig übernahmen, um sie nicht direkt vor die Tür zu setzen. Er und seine Familie erschienen uns freundlich und in Ordnung zu sein.

Ohne es zu wissen, gerieten wir zwischen zwei Fronten.

Nach und nach wurde uns aber klar, dass es bereits vorher Probleme zwischen dem Verkäufer und dem Mieter gab. Durch den Kauf waren wir in das „Schussfeld“ der beiden Parteien gekommen und mussten uns mit nicht gezahlten Mieten und nicht aufgezeigten Mängeln am Haus auseinandersetzen. Zudem erlaubte sich der Mieter, erst ausziehen zu wollen, wenn er „etwas Passendes“ für sich und seine Familie gefunden hätte. Wir gaben ihnen fünf Monate Zeit – hatten aber den Eindruck, dass sich da nicht viel tat. Was wir jedoch taten: Wir beteten. Für uns und für unseren Mieter. Dass er für seine Familie was gutes finden würde und wir die restliche Zeit im „3-Zimmer-Knast“ noch aushalten könnten. Und wir suchten jede Woche ebenfalls nach einer möglichst guten Wohnung für ihn auf allen Kanälen, die wir kannten.

Als im Oktober und November immer noch nichts von einem Auszug bemerkbar war, machten wir uns ernsthaftere Gedanken. Ende Juli unterzeichneten wir (nach mehr als einer Stunde diskutieren) gemeinsam mit unserem Mieter einen befristeten Mietvertrag, der bis zum 31.12.2014 gehen würde. Aus unbekannten Gründen hatte er jedoch nicht verinnerlicht, dass es sich um einen befristeten Vertrag handelte und uns im Endeffekt vorgeworfen, wir hätten ihn gelinkt – was nicht im Geringsten der Wahrheit entspricht. Im Nachhinein sehe ich das auch schon als Eingriff Gottes, denn am Telefon sagte er mir eines Tages, dass er sich sehr über seinen eigenen Fehler ärgern würde. Er wisse nicht, wie ihm das passieren konnte… mit sowas kenne er sich doch aus und irgendwie habe er es nicht gemerkt… Die Fronten zwischen uns wurden danach härter – ich schloss eine Miet-Rechtsschutzversicherung ab, für den Fall der Fälle…

Der Stress um Haus und Wohnung nahm immer weiter zu.

Die Sorge um unser Haus wurde unser tagtägliches Gebet. Einerseits mussten wir ja auch 3 Monate vorher unsere Wohnung kündigen, andererseits wussten wir nicht einmal, wann wir das machen sollten, weil unser Haus einfach nicht frei wurde. Zwischenzeitlich wurden Legionellen in den Leitungen unserer Wohnung festgestellt und unser Vermieter setzte uns eine deutlich überhöhte Rechnung für fällige Nebenkosten an. Als wir nachweisen konnten, dass die Positionen darin vertraglich ausdrücklich nicht vereinbart waren, zog er die Rechnung zwar zurück, wollte uns aber ab Dezember die Miete um über 15% erhöhen – mit der Begründung, die letzte Erhöhung liege 3 Jahre zurück und sei somit rechtens.

Das Mietrecht sieht hier ein Sonderkündigungsrecht vor, sodass der Mieter innerhalb von 2 Monaten (statt der regulären 3) die Wohnung verlassen kann. Sollten wir diesen Schritt gehen und uns auf einen Auszug Ende Januar vorbereiten? Bis dahin war es nicht mehr lange hin, und ob unser Haus bis dahin beziehbar sein würde, schien sehr fraglich zu sein. Wie man sich sicherlich vorstellen kann, war diese Zeit eine nervenspannende Prüfung für uns.

Wie geht’s jetzt weiter?

An einem dieser Abende, meine ganze Familie schlief schon, kniete ich mich vor mein Bett und brachte Gott alles vor. Die Enttäuschung Anfang des Jahres. Das elendige Suchen. Die Fahrerei, die engen Räume, Bakterien und Legionellen, die Diskussionen mit dem Verkäufer und Meinungsverschiedenheiten mit dem Mieter, usw. Ich war es einfach leid. Und jetzt das Spiel mit dem Risiko: Kündigen und hoffen, dass Ende Januar alles gut wird? Dass der Mieter endlich raus wäre? Was um alles in der Welt sollte ich tun?

Dann passierte etwas, das ich selten in dieser Intensität erlebt habe.

Gebete können alles verändern

Einmal war es, als ich für die sterbenskranke Mutter einer Freundin betete, während sie im Krankenhaus war. Völlig vertieft ins Gebet, überkam mich eine starke Sicherheit, ein Trost und eine Geborgenheit und ich fühlte fest: Die Mutter würde gesund werden und ich solle es der Freundin genauso sagen. Weil es das erste Mal war, dass ich solch ein starkes Erlebnis im Gebet verspürt hatte, war ich etwas vorsichtig, aber ich sagte es der Freundin. Sie war aufgelöst und voller Tränen, aber nahm es als Trost auf. Etwa 14 Tage später konnte ich in das Gesicht ihrer Mutter schauen, die bereits wieder laufen konnte und sich bei mir bedankte – wofür auch immer.

An diesem Abend bekam ich die selbe, starke Zuversicht erneut. Ich habe keine Stimme gehört und sonst auch nichts außergewöhnliches gespürt, es zog aber eine tiefe Ruhe und absolute Gewissheit in mich ein: Gott gab mir zu verstehen, dass ich mir keine Sorgen machen müsse. An Weihnachten würden wir das Haus bereits vollständig benutzen können. Voller Freude und mit einem Siegesgefühl konnte ich von meinen Knien aufstehen.

Aber natürlich war da auch immer wieder der Zweifel, der an mir nagte. Hatte ich mir das alles nur eingebildet? War es mein Wunschdenken? Ich sagte mir, es gäbe nur eine Möglichkeit, es herauszufinden: Abwarten und schauen, was passiert.

Aber weil ich so schlecht im Warten bin, sagte ich den Männern meiner Gebetsgruppe (#MenOfPrayer), was ich erlebt hatte. Jeden Montag dachten sie dabei während unseres Gebets daran und ich staunte, wie zuversichtlich alle waren und es quasi eine fest beschlossene Sache war: Das Haus würde zu Weihnachten uns gehören.

Natürlich tat sich aber sonst nichts. Kein Sterbenswörtchen vom Mieter, keine Erfolgsmeldung. Also – warteten wir. Und hofften.

Die Verheißung erfüllt sich

Dann, am 5. oder 6. Dezember – der Anruf. Ich könne mich entscheiden, ob er bereits am 15. Dezember oder erst am 7. Januar ausziehe. Er habe was gefunden, wolle es aber entweder vor oder nach Weihnachten regeln. Natürlich entschied ich mich für den 15. Dezember, auch wenn das den Verlust der halben Miete bedeutete. Da war sie, die Chance, und ich packte sie.

Etwas mündlich Besprochenes in die Tat umzusetzen erweist sich jedoch manchmal als unmögliches Ding. So auch der Plan, am 15. den Schlüssel in den Händen zu halten. Es wollte und wollte einfach nicht klappen, auch am 16. nicht. Ständig kam ihm noch etwas in die Quere. Als ich am 17.12. noch immer keine Schlüssel hatte, wurde ich langsam ungeduldig. Ständig musste ich mir irgendetwas Neues anhören. Ich setzte nun den 18.12. als absolutes Enddatum fest, auch wenn ich die Abnahme um 22 Uhr machen müsste. Was natürlich auch so kam. Am Donnerstag, den  18.12. hatten wir gegen 22.45 nicht nur endlich (!), nach mehrmonatigem Warten, den Schlüssel zu unserem eigenen Haus in den Händen – nein, um 23.15 Uhr kam ein wirklich guter Freund vom #MenOfPrayer noch vorbei und tauschte mir das Schloss an der Haustüre aus, damit ich mir keine Sorgen um die guten Möbel machen müsste, die ich vorher noch übernommen hatte.

Erstaunen. Und Dankbarkeit.

Als ich abends zu Bett ging, erfüllte mich tiefes Erstaunen und Dankbarkeit. Etwa eine Woche vor Weihnachten hatte ich endlich den Schlüssel. Kein Anwalt nötig. Keine Mahnungen. Alles gut. Wie es mir versprochen wurde. All die Sorgen, die wir uns monatelang gemacht hatten – zumindest in dieser Hinsicht waren sie nun endlich weg.

Aber das Wichtigste für mich war, dass ich nun weiß, wie es sich anfühlt, wenn Gott mir tiefe Gewissheit über eine Sache ins Herz legt. Ich kann unterscheiden, ob ich mir etwas selbst einrede, oder ob es von IHM kommt. Dieses Wissen ist viel wert.

Vielleicht hast du ein Erlebnis wie das von mir noch nie gehabt. Vielleicht gab es bei dir nie ein Versprechen, das man irgendwie fühlen konnte. Warum es bei mir so selten existiert – darauf weiß ich die Antwort: Weil ich zu wenig konkret bete und um Dinge zu selten ganz spezifisch bitte. Weil ich bisher vielleicht auch nicht wirklich die Notwendigkeit dazu sah, wie ich sie bei der Mutter der oben erwähnten Freundin gesehen habe. Vielleicht aber auch einfach nur, weil ich allgemein viel zu wenig bete.

Im Rückblick habe ich etwas dazugelernt. Es gibt dieses Bibelvers in Jesaja 40,31, der zu meinen Lieblingsversen gehört:

…aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft…

Im „Harren“ (warten, hoffen) auf Gott liegt Kraft. Nicht im emsig tun und Lösungen suchen, sondern im Warten. Ich habe viel Kraft verloren und mir zu viel den Kopf zerbrochen, obwohl er mir eigentlich sicher zugesagt hatte, dass alles gut werden würde. Werde ich dieses Wissen beim nächsten Mal in die (richtige) Tat umsetzen? Ich werde es auf alle Fälle versuchen!

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