Die Entschuldigung, die funktioniert

Stell dir mal folgende Situation vor: Du hast dich mit einem deiner Kollegen oder einem Freund zum Frühstück zu einer sehr frühen Stunde verabredet. Dafür hast du deinen Wecker 45 Minuten früher gestellt als üblich und hast dich morgens beeilt. Du kommst 5 Minuten früher als ausgemacht und wartest weitere 35 Minuten auf deinen Arbeitskollegen. Während dieser 35 Minuten regst du dich langsam aber zunehmend darüber auf, deine übliche Zeit morgens mit deinen Kindern verpasst zu haben, und diese unnötig geopfert zu haben. Du wirst immer frustrierter bei dem Gedanken an den verschwendeten Morgen. Als dein Kollege oder der Freund endlich ankommt, entschuldigt er sich und erklärt, er sei normalerweise nie zu spät, aber der Verkehr war schrecklich; zusätzlich musste er noch 10 Minuten rumfahren um einen Parkplatz zu suchen.

Fühlst du dich jetzt besser, da du weißt, dass er hat eine berechtige Entschuldigung dafür hat, dich um deinen Morgen gebracht zu haben?

Wahrscheinlich nicht. Das ist eine ähnliche Situation, in der sich jeder von uns gelegentlich wiederfindet. Möglicherweise bist du es sogar, der die Entschuldigungen hervorbringt fürs zu spät kommen oder dafür, nicht fähig zu sein einen Termin einzuhalten. Oder deinem Ehepartner zu helfen. Oder wo auch immer 😉

Aus irgendeinem Grund denken wir, dass wir vielleicht nicht ganz so schlecht wegkommen, wenn wir Entschuldigungen und Gründe aufzählen, die unser Versagen begründen. Verzweifelt wirkend wollen wir die Leute wissen lassen, dass wir wirklich verantwortungsbewusst, zuverlässig, respektvoll, usw. sind. Es liegt an den äußeren Umständen, auf die wir keinen Einfluss haben, dass wir versagt haben. Es ist nicht unsere Schuld.

Die andere Person ist nicht am Grund deiner Verspätung interessiert.

Die Wahrheit ist: Die andere Person interessiert es nicht, ob es unser Fehler war oder nicht. Du hast sie im Stich gelassen, und dein Fehler in dieser Angelegenheit wird diese Tatsache nicht ändern. Der wahre Grund weshalb wir der anderen Person erzählen, warum wir sie im Stich gelassen haben ist, damit wir uns besser fühlen. Wir behalten unseren Stolz und umgehen die Verantwortung zu übernehmen. Die Verantwortung dafür zu übernehmen, jemand anderen im Stich gelassen zu haben, gibt uns ein schlechtes Gefühl. Und das ist eigentlich gut so! Wenn wir uns nicht schlecht fühlen, haben wir auch keinen Grund etwas zu ändern.

Was wenn unser Kollege zu dem Treffen erschienen wäre und gesagt hätte:

„Es tut mir Leid für die Verspätung. Ich weiß, du hast einiges geopfert, um mich heute so früh hier zu treffen. Es gibt keine Entschuldigung dafür und ich werde sicher gehen, dass sowas nicht noch einmal passiert.“

Das ändert zwar nicht, dass dein Morgen ruiniert ist, aber zumindest hat er verstanden, wie sehr er dich verärgert hat und versucht sich nicht mit Entschuldigungen herauszureden.

Meiner Erfahrung nach, werden Leute respektiert die sich einen Fehler eingestehen ohne Entschuldigungen zu suchen. Es ist beeindruckend, weil es das so selten gibt. Nächstes mal, wenn du jemanden im Stich gelassen hast, versuche einen Satz wie diesen zu sagen:

„Es tut mir so Leid für … . Es gibt keine Entschuldigung dafür und ich werde sicher gehen, dass sowas nicht nochmal passiert.“

Pass auf: Du wirst sehr versucht sein, eine Bemerkung hinzuzufügen, weshalb du diesen Fehler gemacht hast (zum Beispiel: Der Verkehr war schlecht, dein Computer ist abgestürzt, usw.).

Erinnere dich daran: Die andere Person interessiert sich nicht für deine großartige Entschuldigung und wird mehr beeindruckt sein, diese nicht zu hören. Verwende die Beschämung, die du empfindest, um wirklich sicher zu stellen, dass so etwas nicht noch einmal vorkommt. Übernimm‘ die Verantwortung für deine Verfehlung! Das ist nicht einfach, es formt jedoch den Charakter.

Deine Beschämung wird dazu beitragen, dich trotzdem gut darzustellen, auch wenn du Mist gebaut hast.

Foto: Pinterest

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2 Kommentare

  1. Dennis

    Der Gedanke ist klasse. Merke selber, dass es eigentlich total sinnlos ist, sich herauszureden.
    Werde diesen Ratschlag auf jeden Fall beherzigen
    Toller Beitrag, nebenbei ;)!

    Gruß Dennis