Liebe für die Söhne Ismaels – Christen, Muslime und Jesus (Bericht über Islam-Seminar in der ECG Gmünd)

Durch ein interessantes Seminar konnte ich viel über Muslime lernen und große Skepsis gegenüber dem Islam endlich ablegen. Von meinem Cousin wurde ich mehrfach eingeladen, in der ECG Schwäbisch Gmünd dabei zu sein, wenn ein Missionar über seinen Dienst in islamischen Gebieten berichten und uns neue Einblicke in das Denken von Muslimen in Bezug auf Gott und die Errettung geben würde. Aus Gründen der Sicherheit werde ich seinen Namen hier jedoch nicht nennen – einfach, um ihn zu schützen.

Es begann am Freitag Abend, als der Missionar uns in die Thematik des Konflikts zwischen Christentum und Islam einführte. Eindrucksvoll aber sehr einfach zeigte er auf, wie Christen Muslime meistens sehen: fanatische Terroristen mit viel Hang zu Frauenfeindlichkeit. Die typischer Stereotype eben. Deutlich interessanter war, dass Muslime eben auch ein typisches Bild von Christen haben: Genauso wie wir neigen sie dazu, uns in Schubladen zu packen. Beispielsweise ist jeder westliche Mensch für sie auch gleichzeitig Christ, wenn er nicht Moslem ist. Es besteht keine Unterteilung in Atheist, katholisch, evangelisch, freikirchlich, liberal, konservativ oder was auch immer. Bist du blond? Dann bist du Christ – so in etwa könnte man es sagen.

Auch haben Moslems Anlass zu sagen, dass Christen ebenfalls Terroristen sind und verweisen auf die Taten der NSU, die systematisch fremdenfeindliche Attentate durchführte. Oder sie verwiesen auf Anders Behring Breivik, der auf seiner Website bekannt gab, evangelischer Christ zu sein und 77 Menschen ermordete.

Christen sind frauenfeindlich!?

Ich wartete schon gespannt darauf, wie der Redner auf das christliche Pendant zur islamischen Frauenfeindlichkeit eingehen würde und wurde wiederum überrascht: Muslime können nicht verstehen, wie Väter und Mütter zulassen können, dass „christliche“ Töchter halbnackt in TV-Shows und auch auf der Straße herumlaufen können, weil sie damit sofort verbinden, das Mädchen gäbe damit zum Ausdruck, sie sei leicht zu haben. Dabei besitzen zurückhaltende Frauen in der islamischen Kultur großen Wert, und nichts ist wichtiger für eine Muslima, als rein in die Ehe zu gehen (bei den Männern ist das eher egal, was auch eine Doppelmoral ist). Moslems sehen unsere Gesellschaft deswegen ebenfalls als frauenfeindlich an, weil wir unsere Frauen nicht genügend vor den Augen fremder Männer schützen und sie auf das Äußere reduzieren.

Nun steckt in jeder Annahme jeder Kultur immer ein Stückchen Wahrheit. Aber natürlich kann man es niemals pauschalisieren, wie wir das heute tun. Das durfte ich am Freitag lernen. Noch viele weitere „Aha-Erlebnisse“ gab es, die ich jetzt hier nicht alle nennen kann, deswegen nur die wichtigsten Punkte:

  • Viele Muslime meinen, wir Christen hätten mehrere Götter: Gott, den Vater; Gott den Sohn und Maria. Wo ich nun den „Heiligen Geist“ erwartet hätte, steht für sie Maria als Bild eines Gottes. Das kann man ihnen nicht verübeln, da unter katholischen Christen Maria durchaus einen Göttin-ähnlichen Status besitzt, was natürlich absoluter Humbug ist.
  • „Moslem“ bedeutet „Betender“. Der Wortbedeutung her sind betende Christen also auch Moslems (jedoch gilt es darauf zu achten, dass jeder Mensch etwas anderes mit „Christ“ oder „Moslem“ verbindet, siehe das Schubladendenken und andere Vorurteile!)
  • Wenn man von einem Moslem gefragt wird, ob man Christ sei, solle man daher nicht gleich mit „Ja“ oder „Nein“ antworten, denn dann erfolgt eine sofortige Einordnung in ein bestimmtes Schema beim Gegenüber. Viel besser sei es, einem Moslem zu entgegnen, man sei ein Nachfolger von „Isa al Masih“, also „Jesus, dem Messias“. Auch im Islam genießt Jesus Christus eine besondere Stellung: Er wird als besonderer Prophet geehrt, der durch ein Wunder auf die Welt kam und dessen Evangelium, das „Indschil“, von jedem Moslem gelesen werden soll (Auch die Tora wird im Koran als „Pflichtlektüre“ vorausgesetzt).

Ist Allah Gott?

Versöhnung auf dem Kreuz

Treffpunkt Kreuz

Mit dieser Frage fasste der Missionar ein besonders heißes Eisen an. Am Ende der Diskussion hatte ich dann meine Meinung gegenüber meiner eigenen langjährigen Sicht auch völlig ändern dürfen. Mit einer Führung durch die Geschichte wurde uns deutlich, dass „Allah“ keine muslimische Bezeichnung für „ihren“ Gott ist, sondern das arabische Wort für den einen, wahren Gott. Schon im alten Testament sehen wir, dass Gott sich selbst den Menschen immer mit einem „El“ vorstellt: „El Shaddai“, „El Elohim“. „El“ ist auch die Wortwurzel für das arabische „Allah“!

Was bedeutet das? Christen sollten niemals sagen, Allah sei nicht der wahre Gott, denn damit schaffen sie ein riesiges Problem! Wie viele Götter gibt es denn? Natürlich nur einen einzigen. Wenn Christen nun sagen, Allah sei nicht der richtige, stellen sie neben „ihren“ Gott noch einen weiteren hin, nämlich den (aus ihrer Sicht) falschen. Alles, was dann folgt, sind Beleidigungen, Erniedrigungen und Niedrigschätzung des islamischen Glaubens. Kein guter Boden für fruchtbare Gespräche mit Muslimen.

Deswegen sei die Frage „Ist Allah Gott“ absolut falsch gestellt, da es nur einen Gott gibt. Den Schlüssel zum Verständnis gab uns der Missionar jedoch gleich mit:

Muslime sind Gottesfürchtige mit einer falschen Gotteserkenntnis über den einen, wahren Gott.

Sehr passend dazu wurde uns Römer 10, 1-3 vor Augen geführt:

Liebe Geschwister, was ich den Israeliten (hier könnte man nun auch „Muslimen“ sagen!) von ganzem Herzen wünsche und von Gott für sie erbitte, ist, dass sie gerettet werden. Denn an Eifer für Gottes Sache fehlt es ihnen nicht; das kann ich bezeugen. Was ihnen fehlt, ist die richtige Erkenntnis. Sie haben nicht erkannt, worum es bei der Gerechtigkeit Gottes geht, und versuchen, durch ihre eigene Gerechtigkeit vor Gott bestehen zu können. Damit lehnen sie sich gegen Gottes Gerechtigkeit auf, statt sich ihr zu unterstellen.

Aus dieser Sichtweise heraus kann man eine ganz neue Liebe für die Menschen entwickeln, denn sie suchen dasselbe wir wir Christen: Erlösung! Sie suchen sie jedoch genauso wie Israel in der falschen Richtung, nämlich darin, mit guten Taten, wie zum Beispiel täglichem Gebet, dem Halten von Gesetzen, Pilgerfahrten, dem Ramadan usw. gerecht vor Allah zu werden.

Der Umgang mit Sünde im Koran

Dass man jedoch nicht mit guten Taten vor Gott gerecht werden kann, verdeutlichte uns ein Vergleich der beiden Geschichten des Sündenfalls, wie er in Sure 7, 19-25 und in der Bibel beschrieben wird. Hier wurde es nun sehr praktisch und interessant. Im Koran wird das Ereignis nämlich so beschrieben:

Und (Allah sagte): „Adam! Verweile du und deine Gattin im Paradies, und esst (Früchte), von wo ihr wollt! Aber naht euch nicht diesem Baum, sonst tut ihr Unrecht!“ Da flüsterte ihnen der Satan (böse Gedanken) ein, um ihnen kundzutun, was ihnen von ihrer Scham (bis dahin) verborgen war. Und er sagte: „Euer Herr hat euch diesen Baum nur verboten, (um zu verhindern) dass ihr zu Engeln werdet oder (sonst) zu Wesen, die ewig leben.“ Und er schwor ihnen (und beteuerte): „“Ich rate euch gut.“ Und so beschwatzte er sie , indem er (sie) betörte. Als sie nun von dem Baum gegessen hatten, wurde ihnen ihre Scham kund, und sie begannen, Blätter (von Bäumen) des Paradieses über sich zusammenzuheften. Und ihr Herr rief ihnen zu: „Habe ich euch nicht jenen Baum verboten und euch gesagt: Der Satan ist euch ein ausgemachter Feind?“ Sie sagten: „Herr! Wir haben (indem wir dein Verbot missachteten) gegen uns selber gesündigt. Wenn du uns nicht vergibst und dich unser erbarmst, werden wir (dereinst) zu denen gehören, die den Schaden haben.“ Allah sagte: „Geht hinab (auf die Erde)! Ihr seid (künftig) einander feind. Und ihr sollt auf der Erde (euren) Aufenthalt haben, und Nutznießung auf eine (beschränkte) Zeit.“ Er sagte: „Auf ihr werdet ihr leben und auf ihr sterben, und aus ihr werdet ihr (dereinst bei der Auferstehung wieder) hervorgebracht werden.“

Dazu nun den Vergleich aus der Bibel, aus 1. Mose 3, 1-19:

1 Aber die Schlange war listiger als alle Tiere des Feldes, die Gott der Herr gemacht hatte; und sie sprach zu der Frau: Sollte Gott wirklich gesagt haben, daß ihr von keinem Baum im Garten essen dürft?
2 Da sprach die Frau zur Schlange: Von der Frucht der Bäume im Garten dürfen wir essen;
3 aber von der Frucht des Baumes, der in der Mitte des Gartens ist, hat Gott gesagt: Eßt nicht davon und rührt sie auch nicht an, damit ihr nicht sterbt!
4 Da sprach die Schlange zu der Frau: Keineswegs werdet ihr sterben!
5 Sondern Gott weiß: An dem Tag, da ihr davon eßt, werden euch die Augen geöffnet, und ihr werdet sein wie Gott und werdet erkennen, was gut und böse ist!
6 Und die Frau sah, daß von dem Baum gut zu essen wäre, und daß er eine Lust für die Augen und ein begehrenswerter Baum wäre, weil er weise macht; und sie nahm von seiner Frucht und aß, und sie gab davon auch ihrem Mann, der bei ihr war, und er aß.
7 Da wurden ihnen beiden die Augen geöffnet, und sie erkannten, daß sie nackt waren; und sie banden sich Feigenblätter um und machten sich Schurze.
8 Und sie hörten die Stimme Gottes des Herrn, der im Garten wandelte, als der Tag kühl war; und der Mensch und seine Frau versteckten sich vor dem Angesicht Gottes des Herrn hinter den Bäumen des Gartens.
9 Da rief Gott der Herr den Menschen und sprach: Wo bist du?
10 Und er antwortete: Ich hörte deine Stimme im Garten und fürchtete mich, denn ich bin nackt; darum habe ich mich verborgen!
11 Da sprach er: Wer hat dir gesagt, daß du nackt bist? Hast du etwa von dem Baum gegessen, von dem ich dir geboten habe, du solltest nicht davon essen?
12 Da antwortete der Mensch: Die Frau, die du mir zur Seite gegeben hast, die gab mir von dem Baum, und ich aß!
13 Da sprach Gott der Herr zu der Frau: Warum hast du das getan? Die Frau antwortete: Die Schlange hat mich verführt; da habe ich gegessen!
14 Da sprach Gott der Herr zur Schlange: Weil du dies getan hast, so sollst du verflucht sein mehr als alles Vieh und mehr als alle Tiere des Feldes! Auf deinem Bauch sollst du kriechen und Staub sollst du fressen dein Leben lang!
15 Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Samen und ihrem Samen: Er wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen.
16 Und zur Frau sprach er: Ich will die Mühen deiner Schwangerschaft sehr groß machen; mit Schmerzen sollst du Kinder gebären; und dein Verlangen wird auf deinen Mann gerichtet sein, er aber soll über dich herrschen!
17 Und zu Adam sprach er: Weil du der Stimme deiner Frau gehorcht und von dem Baum gegessen hast, von dem ich dir gebot und sprach: »Du sollst nicht davon essen!«, so sei der Erdboden verflucht um deinetwillen! Mit Mühe sollst du dich davon nähren dein Leben lang;
18 Dornen und Disteln soll er dir tragen, und du sollst das Gewächs des Feldes essen.
19 Im Schweiße deines Angesichts sollst du [dein] Brot essen, bis du wieder zurückkehrst zum Erdboden; denn von ihm bist du genommen. Denn du bist Staub, und zum Staub wirst du wieder zurückkehren!

Vergleicht man nun diese Verse mit der Bibel, werden folgende Unterschiede deutlich:

  • In der Bibel ist die Folge von Sünde der Tod. Gott sagte: Wenn ihr von dieser Frucht esst, müsst ihr sterben. Der Koran spricht dagegen von „Unrecht“ ohne todbringende Konsequenz.
  • Im Koran gibt es keine Verheißung auf Erlösung. In der Bibel wird die erste Prophetie auf Jesus jedoch schon deutlich: „Er wird dir den Kopf zertreten…“
  • In der Sure zeigen Adam und Eva sofortige Sündenerkenntnis und versuchen nicht, die Sünde auf andere abzuwälzen. In der Bibel ist eingetreten, was Gott gesagt hat: Die Menschen sind für die Erkenntnis der Sünde gestorben. Sie machen immer wieder andere für ihr Unglück verantwortlich.
  • Sünde ist in der Sure nur „gegen sich selbst“. Gott ist zu groß, zu weit entfernt, als dass ihn die Sünde dieser Menschen irgendwie betreffen könnte. Sünde erzeugt deswegen auch keine vollständige Trennung von ihm, weil er sowieso zu weit weg ist.
  • Das muslimische Menschheitsbild ist wie im Humanismus: Der Mensch selbst ist an sich gut, der Böse ist allein der Satan

Im Islam ist es nicht so wichtig, am Ende Gemeinschaft mit Gott zu haben, da er sowieso unnahbar ist. Das Paradies ist einfach die einzige Alternative zur Hölle. Jungfrauen und Bäche aus Wein sind hierbei wichtiger als mit Gott zusammen zu sein, denn das ist sowieso unvorstellbar.

Was ist die Lösung für das Sündenproblem im Islam?

Die Lösung ist also nicht, dass jemand für dich sterben muss, damit du im Islam Sündenbefreiung bekommst. Deswegen haben Muslime auch grundlegend kein Verständnis für den stellvertretenden Tod Jesu‘ für uns Menschen. Vielmehr muss jeder Mensch für seine eigenen Sünden geradestehen und einmal dafür Verantwortung tragen. Die Lösung ist: Höre nicht auf den Teufel, der dir täglich böse Gedanken eingibt, sondern mache das Richtige! Gehe den geraden Weg, nicht den Weg der Ungläubigen. Die Antwort auf die Probleme der Sünde sind im Islam Bücher. Allah gab Bücher, damit Menschen die Erkenntnis darüber bekommen, wie man Erlösung findet. Ob man sie jedoch findet, und ob Allah am Ende gnädig ist – darüber gibt der Islam keine sicheren Worte heraus.

Jesus ist die Antwort auf die allererste Sünde

Wie anders ist die Lösung, die Gott durch seinen Plan in Jesus Christus für alle Menschen, auch Muslime, bereit hält: Schon beim Sündenfall kündigt Gott an, dass jemand den Kopf der Schlange, also des Satans, zertreten wird. Dieser „jemand“ wird im Laufe des alten Testaments von vielen Propheten angekündigt. Und dann kommt Jesus und führt Gottes Plan aus, in dem er freiwillig stirbt. Sein Tod war kein Unfall, kein Akt der Gewalt, aus dem er sich nicht hätte befreien können. Er hatte die Macht und hätte Legionen von Engel um sich scharen können. Er war jedoch Allah gehorsam und führte seinen Plan willig aus, indem er für stellvertretend für die Menschen starb.

Das jedoch ist für einen Muslim nur sehr schwer verstehbar. Aus diesem Grund gab uns der Missionar einen Leitfaden mit an die Hand, durch den wir in Gesprächen mit Muslimen ein Gefühl des Verständnis entwickeln können. Auf diesen Leitfaden werde ich im zweiten Teil meines Berichts genauer eingehen.

Fazit: Was mich an den beiden Tagen des Seminars besonders beeindruckte und faszinierte, war nicht, was ich über den Islam gelernt habe. Es war die Liebe, die aus dem Missionar ausging. Eine große, tiefe Liebe für Menschen, die auch nach Frieden mit Gott suchen, ihn voller Hingabe und Leidenschaft suchen, aber am Ende nicht sicher sein können, 100% erreicht zu haben.

Durch seine Vielzahl an praktischen Erzählungen im Umgang mit seinem Frisör, dem LKW-Fahrer seiner Möbel und anderen Freunden ermutigte er uns alle, unsere Vorurteile abzulegen und den Menschen mit Respekt, Verständnis und vor allem Liebe zu begegnen.

An dieser Stelle werde ich versuchen, den Vortrag als MP3-Datei einzubinden. Ich denke, dass durch das gesprochene Wort noch viel deutlicher wird, was ich anhand meiner Notizen versucht habe, klar zu machen.

Und jetzt würde ich mich über Kommentare freuen. Eventuell liest das hier ja jemand, der auch dabei war und seine eigenen Eindrücke hinterlassen möchte. Kurz nach unten scrollen und los schreiben!