Stellungnahme zum Interview mit Abt Franziskus Heereman in der RNZ vom 03.04.2021

Am Samstag zwischen Karfreitag und Ostersonntag veröffentlichte die RNZ unter der Headline „Leben jenseits von Zeit und Raum“ ein Interview mit Abt Franziskus Heereman. Zwei Antworten, die er gab, möchte ich genauer betrachten und aufzeigen, dass der Abt hier irrt.

RNZ: „Gibt es denn das Jüngste Gericht? Müssen wir uns verantworten für das, was wir in unserem Leben getan haben?“

Abt Franziskus: Gott ist Liebe. Er kann nicht hassen. Und er richtet nicht. Für mich beschreibt die Vorstellung vom Jüngsten Gericht den Moment, in dem wir uns selbst erkennen, wie wir sind. Man hört immer wieder von Menschen, die einen schweren Unfall hatten, dass ihr ganzes Leben im Schnelldurchlauf an ihnen vorbei gezogen ist. So kann man sich das Gericht vielleicht vorstellen. Als den Augenblick, in dem ich mein gesamtes Leben mit Klarheit sehe. So wie Gott es sieht. Das kann schmerzhaft sein. Ich denke, dass Menschen, die ein Leben lang um Gott gerungen haben, sich in diesem Moment leichter tun. Wie auch Menschen, die über keine religiöse Sprache verfügen, sich aber in einer schlichten natürlichen Hingabe für ihre Familie oder für andere eingesetzt haben. In wessen Leben die Liebe keinen Platz gehabt hat, wer nur am haben interessiert war, wer anderen Menschen Böses getan hat, für den wird die Begegnung mit Gottes Liebe möglicherweise entsetzlich. Weil er erkennt, dass alles, worauf er in seinem Leben gesetzt hat, in den Augen Gottes nicht das geringste wert ist. Nach dem Zeugnis Jesu besteht der Sinn unseres Lebens darin, dass wir dir liebe Raum geben. Nicht weil es am Ende einen Richter gibt, sondern um zu verhindern, dass wir uns für unser Leben vor uns selbst und vor Gott unendlich schämen müssen. Das tut wahrscheinlich viel mehr weh, als von einem anderen gerichtet zu werden. Auf der anderen Seite dürfen wir die Hoffnung haben, dass es Gott in seiner liebenden Allmacht gelingt, unser Leben recht zu machen. Alles was zu ihm passt, wird nicht verloren gehen, sondern in seinem Leben aufgehoben sein.

RNZ: Und was ist mit der Hölle? Gibt es die überhaupt?

Abt Franziskus: Der Katechismus sagt: ja, es gibt die Hölle. Ich sage: wenn es die Hölle gibt muss man sich sehr anstrengen um hinein zu kommen. Ich gehe davon aus, dass im Sterben ein klarer Blick über uns kommt. Wir sehen unser Leben in alle Schonungslosigkeit. Aber wir ahnen auch schon, welche Fülle des Lebens Gott für uns bereithält. Wer sich trotz dieser Ahnung bewusst gegen das Leben bei Gott entscheidet, für den gibt es womöglich eine Hölle. Wenn wir nach Gottes Ebenbild geschaffen sind, gehört dazu, dass es in uns eine letzte Freiheit gibt. Also muss er uns auch die Freiheit lassen, uns gegen das ewige Leben bei ihm zu entscheiden.

RNZ: Woher nehmen Sie diese Gewissheit, wenn sie über Gottes Willen sprechen?

Abt Franziskus: Alles, was wir über Gott und seine Pläne sagen, ist immer nur ein Tasten und ahnen. Wenn wir über Gott sprechen, bedienen wir uns der Sprache und der Bilder, die uns unserer Religion zur Verfügung stellt. Eine Gottes Rede, die sich nicht in ihrer Grenzen bewusst ist, trägt für mich bereits einen Ansatz von Häresie in sich. Schon vor vielen hundert Jahren hat ein Konzil gesagt, dass alles was wir von Gott in positiver Weise aussagen, mehr unähnlich ist als ähnlich. Daher bleibe alles reden über das Geheimnis von Tod und Leben immer Fragment. Es wäre besser, zu verstummen und zu staunen.


Meine Stellungnahme

Sehr geehrtes Team Kirche der RNZ,

mit Erstaunen, teils heftig irritiert, habe ich gelesen, was Abt Franziskus am Karsamstag in der RNZ über das Leben jenseits von Zeit und Raum spekulierte. Während seinen Aussagen über Jesus größtenteils zuzustimmen ist, verfangen sich seine Mutmaßungen in der zweiten Hälfte des Interviews in teils krassen Widersprüchen zu dem, was die Bibel uns lehrt.

Gemäß Paulus, der uns in 2. Tim 4,2 sagt „Predige das Wort, stehe dazu, es sei zur Zeit oder zur Unzeit; weise zurecht, drohe, ermahne mit aller Geduld und Lehre.„, müssen im Licht der Heiligen Schrift die Frage nach dem jüngsten Gericht anders beantwortet werden, als Abt Franziskus es hier darstellt.

Abt Franziskus sagt: „Und er (Gott) richtet nicht“.

Mitnichten richtet Gott nicht! Dies sehen wir an so vielen Stellen der Schrift, dass es mich erstaunt und fragend zurücklässt, wie diese anders gedeutet werden könnten. Hier nur eine geringe Auswahl:

  • Ps 7, 12: Gott ist ein gerechter Richter und ein Gott, der täglich strafen kann.
  • Ps 50, 6: Und die Himmel werden seine Gerechtigkeit verkünden; denn Gott selbst ist Richter.
  • An anderer Stelle (Apg 10, 42) wird bezeugt, dass Gott dieses Gericht an Jesus übergeben hat: […] Und er (Jesus) hat uns geboten, dem Volk zu predigen und zu bezeugen, dass er von Gott bestimmt ist zum Richter der Lebenden und der Toten.
  • Hebr 12, 23: … und zu Gott, dem Richter über alle, und zu den Geistern der vollendeten Gerechten, (24) und zu Jesus, dem Mittler des neuen Bundes, …
  • Und schließlich, sehr deutlich, in Offb 20,11: Und ich sah einen großen weißen Thron und den, der darauf saß; vor seinem Angesicht flohen die Erde und der Himmel, und es wurde kein Platz für sie gefunden. (12) Und ich sah die Toten, Kleine und Große, vor Gott stehen, und es wurden Bücher geöffnet ….

Es gibt dutzende weitere Stellen, die nicht nur von einem Gericht sprechen, sondern die Gott ganz klar als den Richter benennen. Die Vorstellungen des Abtes sind hier nicht „sola scriptura“ sondern entstammen anderem Gedankengut.

Muss man sich anstrengen, um in die Hölle zu kommen?

Die zweite grundlegende Fehleinschätzung, die Abt Franziskus gibt, ist die Aussage, man „müsse sich sehr anstrengen“, um in die Hölle zu kommen. Das impliziert, dass der Mensch von Grund auf gut sei und nur unter Anstrengung zu einer Tat gebracht werden könnte, die die Strafe der Hölle verdiene. Wenn dies so wäre, hätte Jesus nicht öfter von den Hölle geredet (und gewarnt) als vom Himmel. Er hätte auch nicht sein Blut dafür geben müssen um am Kreuz zu sterben. Es würde genügen, einfach „gut“ zu sein. Hier hat Abt Franziskus leider ein falsches, sehr liberales Verständnis von Sünde.

Hades: Abaddon und Paradies

Die Lehre der Bibel ist, dass das Totenreich (der Hades) aus zwei Teilen besteht: Paradies und Abaddon. Bis vor der Auferstehung wurden alle Toten an diesem Ort aufbewahrt für das Gericht. Während die Heiligen ins Paradies kamen (der Ort, den Jesus selbst nach seinem Tod aufgesucht hat, um seinen Sieg zu verkünden), kommen die ungerechten Menschen und gefallenen Engel in den Abaddon, der durch eine weite Schlucht vom Paradies (oder Abrahams Schoß) getrennt ist. Niemand kann die Seiten wechseln.

Die Offenbarung sagt uns (20,14), dass der Hades am Ende in die Hölle geworfen wird: Und der Tod und der Hades wurden in den Feuersee geworfen. Dies ist der zweite Tod, der Feuersee. Das heißt: Die Hölle existiert, ist aber noch leer. Aber sie wird gefüllt werden. Wer wird sie füllen? Zunächst der Satan mit seinen Engeln, dann aber auch alle, die nicht im Lebensbuch gefunden werden (V. 15). Das sind die, die Finsternis mehr lieben als das Licht.

Prüft alles, das Gute behaltet!

Die RNZ sollte (unbiblische) Aussagen wie die von Abt Franziskus nicht ungeprüft stehen lassen. Weil zumindest ich dies nicht konnte, habe ich diese Stellungnahme geschrieben.

Warum sind beide Aussagen wichtig in Bezug auf das christliche Leben? Weil ein falsches Gottesverständnis, das nur von Liebe ausgeht (die, wie der Abt auch sagt, für manche entsetzlich werden kann), ein irrtümliches Christenleben hervorbringt. Wer der Hölle eine hohe Hürde gibt, wägt Menschen in falscher Sicherheit, bis zu dem Punkt, an dem er sie in die Irre führt.

Zustimmen kann ich Abt Franziskus aber in einem Satz: Sobald wir uns von der Schrift entfernen, sollten wir verstummen. Zu groß ist die Gefahr, als „Engel des Lichts“ aufzutreten. In 2. Kor 11, 14 werden wir eindringlich davor gewarnt, dass dies oft eine Verkleidung des Satans selbst ist. Niemand von uns davor gefeit. Deshalb sagte Jesus; „Wachet und betet, damit ihr nicht in Anfechtung fallt.“

Bild: Carl Heinrich Bloch (um 1800)

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