Wer bist du: Ein Berufener oder ein Auserwählter?

geschrieben von Albert Brückmann am 5. November 2014 in Ansprachen & Vorträge | Druck-Ansicht | Präsentation

Wenn etwas Großes um dich herum passiert – wirst du es merken oder wird es einfach an dir vorbeiziehen?

Vor einiger Zeit habe ich auf einer Hochzeit mit ehemaligen Arbeitskollegen über den Glauben geredet und bin damit auf offene Ohren gestoßen. Ja, es war durchaus Interesse da. Ich fragte anschließend, ob es okay sei, wenn ich in den nächsten Wochen mal ein Päckchen schnüren und den Leuten eine gut lesbare Bibel (und zwar die „Neue Genfer“ Übersetzung) und 2-3 weiterführende Flyer schicken könnte. Zum Vorbeibringen war es leider zu weit, und auch dem wurde zugestimmt.

Etwa vier Wochen später hatte ich dann alles beisammen und brachte die Versandtasche zur Post. Darin enthalten war die eben angesprochene Bibel und der Flyer „Wozu brauchen wir Jesus [1]“ und eine weitere Broschüre [2]. Ich war gespannt, ob ich Antwort darauf bekommen würde. Kann dieses Buch, das schon hunderte Jahre alt ist, für sich selbst sprechen, wie so viele behaupten? Kann es Menschen die Augen öffnen, auch wenn sie es noch nicht kennen? Kann es Menschen zu etwas Neuem berufen?

Im Markus Evangelium bin ich heute im Kapitel 1 auf die Verse 16 bis 20 gestoßen, wo berichtet wird, wie Jesus die ersten Jünger beruft:

Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Fischer, die auf dem See ihre Netze auswarfen, Simon und seinen Bruder Andreas. Jesus sagte zu ihnen: »Kommt, folgt mir nach! Ich will euch zu Menschenfischern machen.« Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm. Er war noch nicht viel weiter gegangen, da sah er zwei Männer, die im Boot saßen und ihre Netze in Ordnung brachten, Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes. Jesus forderte sie ebenfalls auf, mit ihm zu kommen. Da ließen sie ihren Vater Zebedäus mit den Arbeitern im Boot zurück und schlossen sich Jesus an.

Vor meinen Augen spielte sich diese Szene zunächst so ab: Die Männer sitzen am See, man hört das Plätschern des Wassers, und sie gehen ihrer täglichen Leidenschaft nach – dem Netze flicken. Wirklich? Nein, eher nicht. Sie liebten es wohl mehr, in ihren Booten auf See zu sein, zu fischen. Netze flicken war eher eine unliebsame, wenn auch nötige Arbeit. Ohne enge, intakte Maschen würden die Fische schließlich nicht im Netz bleiben. Dennoch – das war bis zum dem Zeitpunkt ihr Leben und ihre tägliche Arbeit. Wohl wurde es auch an die nächste Generation weitergegeben, denn Johannes und Jakobus erledigten den Job gemeinsam mit ihrem Vater und weiteren Angestellten.

Auf einmal ist da ein Mann. Und er ruft sie, sie sollen ihm nachfolgen.

Ich dachte in diesem Moment an mich selbst, wie ich täglich im Büro sitze und meine Arbeit tue, um den Lebensunterhalt für mich und meine Familie zu verdienen. Ich mache das gerne, mir macht die Arbeit Spaß und ich liebe meinen Job, auch wenn es manchmal Phasen des „Netze flickens“ gibt, die bei mir eben „Buchhaltung“ oder „Steuern machen“ heißt. Mache ich nicht gerne, muss ich aber machen. Und auf einmal würde jemand an meine Tür klopfen und sagen „Komm, lass es liegen und folge mir“. Würde ich mitgehen? Einfach so? Ganz ehrlich… Nein. Auch wenn mir mir Arbeit gerade nicht gefallen würde.

Warum um alles in der Welt gehen die Fischer mit Jesus?

Ich habe mich wirklich gefragt, wie glaubwürdig Jesus gewesen sein muss, wenn diese Männer sogar ihren eigenen Vater für ihn sitzen lassen. Ich meine: Den eigenen Vater? Für jemanden, den sie nicht einmal richtig kennen? Wie wird sich der Vater gefühlt haben? Ich bin mir sicher, dass der Hausfrieden ab diesem Moment irgendwie schief hing, wie bei vielen Familien, in denen sich Kinder entscheiden, nicht mehr das „fortwährende Prinzip der Weitergabe“ fortzuführen und ein Unternehmen am Laufen zu halten.

Als ich mir die selbe Geschichte jedoch im Lukas Evangelium anschaute, wurde mir klar, was die Fischer dazu bewegt hatte. Lukas berichtet noch detaillierter über alles, was vorher geschah und wie Petrus mit Jesus ein Wunder erlebte, das ihm zeigte, wie klein und sündig er war. Lest euch das mal durch:

Eines Tages stand Jesus am See Gennesaret; eine große Menschenmenge drängte sich um ihn und wollte das Wort Gottes hören. Da sah er zwei Boote am Ufer liegen. Die Fischer waren ausgestiegen und reinigten ihre Netze. Jesus stieg in das Boot, das Simon gehörte, und bat ihn, ein Stück weit auf den See hinauszufahren. So konnte er im Boot sitzen und von dort aus zu den Menschen sprechen. Als er aufgehört hatte zu reden, wandte er sich an Simon und sagte: »Fahr jetzt weiter hinaus auf den See; werft dort eure Netze zum Fang aus!« Simon antwortete: »Meister, wir haben uns die ganze Nacht abgemüht und haben nichts gefangen. Aber weil du es sagst, will ich die Netze auswerfen.« Das taten sie dann auch, und sie fingen eine solche Menge Fische, dass ihre Netze zu reißen begannen. Deshalb winkten sie den Fischern3 im anderen Boot, sie sollten kommen und mit anpacken. Zusammen füllten sie die beiden Boote, bis diese schließlich so voll waren, dass sie zu sinken drohten. Als Simon Petrus das sah, warf er sich vor Jesus auf die Knie und sagte: »Herr, geh fort von mir! Ich bin ein sündiger Mensch.« Denn ihm und allen, die bei ihm ´im Boot` waren, war der Schreck in die Glieder gefahren, weil sie solch einen Fang gemacht hatten, und genauso ging es Jakobus und Johannes, den Söhnen des Zebedäus, die zusammen mit Simon Fischfang betrieben. Doch Jesus sagte zu Simon: »Du brauchst dich nicht zu fürchten. Von jetzt an wirst du ein Menschenfischer sein.« Da zogen sie die Boote an Land, ließen alles zurück und schlossen sich ihm an.

Markus hat in seinem Bericht nur einen Bruchteil von dem erzählt, was sich ereignet hat. Durch Lukas wird die Sache klarer – und auch verständlicher. Unter diesen Umständen wäre ich auch mitgegangen – Zum Beispiel, wenn ich ein Jahr lang an einem Online-Shop gearbeitet habe, der einfach nicht „verkaufen“ will und Jesus dann käme und zu mir sagen würde „Ändere die Farbe der Website von Rot zu Grün“ – … und auf einmal wäre der Laden absolut ausverkauft… . Aber ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob ich meinen Vater einfach so hätte zurücklassen können – aus der Sicht eines ungebundenen Singles gesehen würde ich jetzt „ja“ sagen. Aus der Sicht als verantwortlichen Familienvaters eher nein.

Bist du tüchtig zum Dienst?

Die Frage zu Beginn des Beitrags bleibt jedoch: Merke ich, wenn etwas Großes um mich herum geschieht? Wenn Gott in meiner Gemeinde etwas verändern will? Steige ich dann mit auf den Zug auf oder bleibe ich, wie alle anderen Arbeiter, einfach sitzen? Oder, um es noch weiter zu treiben: Werde ich derjenige sein, den Jesus beruft und danach auserwählt? Bin ich tüchtig zum Dienst?

Frage dich heute, inwiefern du in dein tägliches Leben so sehr verstrickt bist, dass du Jesus eine Absage erteilen würdest. Vielleicht tust du das sogar täglich. Er fordert dich auf, Zeit mit ihm zu verbringen, sein Wort zu lesen, im Gebet zu wachsen. Wie entscheidest du dich? Diese Wahl wird schlussendlich darüber entscheiden, ob du tüchtig zum Dienst bist. Berufen sind nämlich viele, auserwählt aber nur wenige.

Ich habe bis heute leider nichts von den Empfängern meiner Päckchen gehört. Ich weiß nicht, ob die Bibel gelesen wird und ob der Flyer verstanden wurde. Ich weiß aber, dass eine Wahl getroffen wurde – oder noch wird. Und ich hoffe, dass es nicht umsonst war und dass aus Berufenen Auserwählte werden.

Bildquelle: JW [4]

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URLs in diesem Beitrag:

[1] Wozu brauchen wir Jesus: http://missionswerk-heukelbach.de/images/flash/MWH/Hefte/ih18/index.html

[2] weitere Broschüre: https://planetshaker.de/christliche-flyer-traktate-und-broschueren-woher-bekomme-ich-gutes-material-zum-weitergeben/

[3] Lukas 4, 1-11 lesen (öffnen/schließen): #835_1

[4] Bildquelle: JW: http://www.jw.org/de/publikationen/buecher/echter-Glaube/petrus-kaempfen-angst-zweifel/

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