Prediger & christliche Referenten: Seid besser vorbereitet!

Dies ist ein Appell an alle Prediger, die die Botschaft vor Zuhörern bringen oder aus Glaubensgründen zu bestimmten Themen referieren: Egal, über welches Thema ihr sprecht, sei es die Evolutionstheorie, den Islam oder die Bibel selbst – investiert mehr Zeit in die Vorbereitung. Vor allem, wenn es um strittige Themen geht. Bevor es euch so geht wie dem Referenten aus der Bibelschule Brake, der in Paderborn vor vielen christlichen Jugendlichen und einem (!) informierten Atheisten einen Themenabend zur Evolutionstheorie (Titel “Schöpfung, Design oder Zufall?“) abhielt und schon vor der Veranstaltung verunsichert wurde, weil ihm viele neue Gegenargumente nicht bekannt waren.

Zu Beginn: Natürlich richte ich diesen Appell in erster Linie auch an mich selbst. Mir ist auch bewusst, dass man nicht immer zu 100% über jeden Aspekt seines Themas, vor allem, wenn es sehr umfangreiche Sachgebiete sind, informiert sein kann. Regelmäßig gibt es neue Erkenntnisse der Wissenschaft, die geprüft werden sollten, bevor man eine vor drei Jahren vorbereitete Ansprache zu einem Thema einfach wieder und wieder abhält. Sehr schnell kann man, wie im folgenden Beispiel, kalt erwischt werden.

Der Ketzer 2.0-Podcast

Weil ich hin und wieder gerne auf meinem iPhone Podcasts höre und mich dabei oft in den Top-100 verschiedener Kategorien bewege, bin ich vor einige Tagen auf einen wirklich interessanten Podcast der Gegenseite gestoßen: Ketzer 2.0 – Gottlose Gedanken zum Leben, ein “Atheistisches Podcast Projekt”. Gleich der erste Eintrag weckte mein Interesse. Er lautet: “Zu Besuch bei Evangeliums-Christen” (Episode 49.5).  Mit dem Begriff kann ich sehr wohl etwas anfangen. Wie die Sprecher im Podcast richtig recherchiert haben, handelt es sich bei den “Evangeliums-Christen”, die auch manchmal als “Evangeliums-Christen-Baptisten” auftreten, allermeist um russlanddeutsche Christen. Und um genau diese handelt es in der Episode dieses Podcasts. Ihr solltet ihn euch anhören, um den folgenden Text besser verstehen zu können. (Auf einem iPhone geht das ganz einfach anhand der vorinstallierten Podcast-App. Auf einem Android – keine Ahnung, vielleicht kann jemand das in den Kommentare erläutern.)

Der Ketzer 2.0 Podcast

In der beschriebenen Episode wird der Sprecher durch eine Einladung auf die Veranstaltung aufmerksam gemacht. Als er sie besucht, findet er wirklich freundliche Menschen vor, die er als vorbildlich beschreibt. Die Atmosphäre vergleicht er mit der eines Alpha-Kurses, was er den Leuten dort auch sagt – aber die wussten nicht, was der Alpha Kurs ist (ist auch kein Wunder, sie lehnen ihn teilweise auch ab und/oder haben eigene Jüngerschaftskurse. Ich selbst kann hier den Vertikalkurs empfehlen.)

“Geologe? Äh, nein, Theologe!”

Noch während des gut vorbereiteten Essens unterhält  sich Matthias (das ist der Name eines der Betreiber von Ketzer 2.0) mit dem Prediger bzw. Referenten, der gleich das Thema halten wird. Er erfährt zunächst etwas zum Hintergrund des Predigers, z.B. dass er seine Ausbildung in Brake gemacht hat. Die Bibelschule wird im Podcast dann noch genauer beschrieben und beleuchtet. Witzig: Matthias verhört sich kurz, als er nach dem Beruf des Referenten fragt und dieser scheinbar “Geologe” antwortet. “Wow, endlich mal jemand, der wohl genauer informiert ist”, denkt er. Doch wie gesagt – er hat sich verhört, und wenige Augenblicke später stellt sich heraus, dass es nicht “Geologe”, sondern “Theologe” hieß.

Während sie weiter reden, wird Matthias bewusst, dass viele der Informationen, die der Referent hat, veraltet sind oder dass Rosinenpickerei betrieben wurde. Auch auf die Frage, wie sich ohne einen Gott denn Moral entwickelt haben könnte, verweist er auf das schon vor Jahren erschiene Buch von Richard Dawkins, “Der Gotteswahn”, in der Dawkins wohl einen Versuch macht, dies zu erklären (ich habe es noch nicht gelesen).

Lieber warten, als zu schnell zu starten

Matthias spricht im Podcast noch über viele weitere Einzelheiten. Und die haben mir zu denken gegeben, vor allem, weil auch ich diesen Fehler oft mache: Aus Zeitlosigkeit oder ungenügender Vorbereitung spreche ich zu schnell über Dinge, von denen ich zu wenig Ahnung habe. Warum tun Prediger und Referenten diesen Fehler oft? Vielleicht, weil sie der Meinung sind, vor ihnen säßen ja nur Leute, die genauso viel oder sogar noch weniger wissen. Oder es säßen ja eh “nur Christen” dort, die der gleichen Meinung sind, und nichts sagen würden, auch wenn sie einen Fehler im Vortrag entdecken. Mit beiden Annahmen kann man allerdings schnell ins Schwitzen geraten, wie der Referent in Paderborn es erleben musste. Matthias sagt in seinem Podcast, dass er der Eindruck hatte, der Theologe hätte seinen Vortrag an manchen Stellen kurzfristig abgeändert (wirklich belegen konnte er diese Aussage jedoch nicht).

Meine Einschätzung

Allgemein gesehen fand ich Matthias wirklich fair und freundlich – im Gegensatz zu einem seiner beiden Gesprächspartner, der meistens nicht viel Helfendes zum Thema beisteuerte. Ich finde es gut, wenn auch wir Christen in der Lage sind, Fehler und Unwissenheit eingestehen zu dürfen und uns nicht bis aufs Blut verteidigen müssen, wenn wir sehen, dass wir bestimmten Fragen nicht beantworten können, weil uns Wissen fehlt. Damit sage ich nicht, dass das, was die Wissenschaft heute entdeckt, der Weisheit letzter Schluss ist. Das Gegenteil ist oft der Fall, und Erkenntnisse werden oft revidiert.

Wir müssen auch nicht auf alles eine Antwort haben. Darum wird es Glauben genannt. Jedoch nicht “blinder” Glaube, sondern vertrauender Glaube, der auch glaubt, dass Fragen, die momentan nicht (oder scheinbar gegensätzlich) beantworten werden können / müssen, durch die Wissenschaft in einigen Jahren der Bibel gemäß bestätigt werden.

Fazit

Ich werde in Zukunft häufiger in den Podcast reinhören, weil mich die Argumente und Gedanken von Atheisten interessieren. Es ist für mich jedoch ein Wunder, wie man NICHT an einen Gott glauben kann, bei dem, was wir in der Vergangenheit und in der Gegenwart, sogar täglich, sehen (vor allem auch in Israel) – aber Wunder geschehen eben, und ich akzeptiere natürlich auch den Nicht-Glauben eines Atheisten.

Predigern und christlichen Referenten (und damit auch mir) lege ich jedoch ans Herz, sich ausgiebig und umfassend vorzubereiten, vor allem die Argumente und Einwände der Gegenseite möglichst vollständig zu prüfen und vielleicht auch den Mut haben, zu sagen, wenn es neue Forschungserkenntnisse gibt, die man selbst momentan noch nicht beantworten kann. Dennoch ist zu sagen: Anhand von Argumenten und menschlicher Weisheit wird es nie möglich sein, einen Menschen von der Existenz Gottes zu überzeugen. Das ist auch gar nicht unsere Aufgabe. Ich bin davon überzeugt, dass die Menschen, die bereits vor Erschaffung der Welt von Gott auserwählt waren, seine Stimme auch hören werden. Gleichzeitig wird es immer Ungläubige, Spötter und Gleichgültige geben. Unsere Aufgabe ist es, die Botschaft weiterzutragen, nicht dafür zu sorgen, dass die Leute auch daran glauben. Und das sollten wir nach bester Möglichkeit und bestem Wissen unter bestmöglicher Vorbereitung tun, wenn die wie Berufung als Prediger für uns erkannt haben.

Photo credit: amslerPIX via Visual Hunt / CC BY