Gibt es noch Hoffnung auf deinen Glauben ans Gebet?

Die meisten Menschen in Deutschland beten nicht. Sie haben als Kinder vielleicht mal zum „lieben Gott“ gebetet, aber mittlerweile ist das für sie fraglich geworden. Als ich dieses Bild gesehen habe, musste ich unweigerlich grinsen:

Am anderen Gebetsende antwortet nie einer?

Am anderen Gebetsende antwortet nie jemand?

Wie ist das mit dem Gebet? Bringt das was? Redet man da wirklich mit jemandem? Gibt es nachweisliche Gebetserhörungen? Oder ist das alles nur erdacht und man könnte genauso gut mit einem Stuhl sprechen? Das möchte ich im Anschluss von euch wissen.

Wir wollen zuerst grob unterteilen – in Dank-Gebet und in Bitt-Gebet. Natürlich gibt es noch weitere Arten (Lob, Anbetung, Fürbitte, usw.), wir bleiben jedoch bei den beiden erstgenannten.

Dankbare Menschen sind zufriedener und deshalb glücklicher.

Es ist belegt, dass dankbare Menschen allgemein glücklicher durchs Leben gehen als undankbare. Von Herzen dankbare Menschen sind zufriedener, simpler, weniger anspruchsvoll, freundlicher, fröhlicher und kommen mit allen Lebenslagen besser aus als undankbare Menschen. Sie sind weniger leicht reizbar und ärgern sich nicht sofort über alles. Sie sind geduldiger und warten gelassener als undankbare Menschen. Dankbarkeit muss jedoch jemandem gegenüber ausgedrückt werden. Dafür ist das Gebet eine wunderbare Sache. Zur Ruhe kommen und sich mal von ganzem Herzen bedanken. Einem Stuhl gegenüber kann man sich jedoch nicht bedanken (außer vielleicht dafür, dass er geduldig dein Gewicht trägt und dabei die Klappe hält).

Der Dank geht meistens an eine Person einer höheren Instanz oder jemanden, der einem etwas Gutes getan hat. Im Dankgebet bedanke ich mich bei Gott für die tägliche Nahrung, für Unterkunft und meine Familie und Freunde. Ich bedanke mich, weil ich wahnsinniges Glück habe, da zu sein, wo ich grad bin. Ich konnte mir schließlich nicht aussuchen, wo ich geboren werde und wer meine Eltern sind. Irgendjemand hats momentan sehr schwer als hungriger Waiser, der auf einer Müllkippe lebt. Was kann er dafür? Nichts. Für dieses Glück bedanke ich mich und fange an, zu schätzen, was mir gehört.

Bedankst du dich bei jemandem? Sagst du jemandem, dass du schätzt, was du hast? Oder siehst du alles als selbstverständlich an? Als selbst erarbeitet? Wenn ja, dann bedenke, dass du nichts für dein Glück kannst, für deine Gesundheit und für deine Kraft.

Beim Bitten sieht die Sache einfacher aus: Ich komme mit Problemen und Sorgen zu Gott und bitte ihn darum, mir die richtigen Worte, den richtigen Ton, die richtige Handlungsweise und die richtigen Gedanken zu geben – alles zur richtigen Zeit. Ich bitte dabei nicht nur für mich, sondern für Freunde und Familie, für Arbeitskollegen und Kommilitonen. Warum? Weil ich weiß, das Beten etwas bewirkt. Nicht nur in meinem Leben, sondern auch im Leben von anderen Menschen.

Ich bitte aber auch darum, dass mir Fehler, Schuld und Sünden, die ich heute getan habe, vergeben werden. Dabei bemerke ich oft, ob ich einem Menschen Unrecht getan habe, mit Worten oder Taten. Ich versuche dann, dies so schnell wie möglich zu bereinigen.

Und ich bitte für die alltäglichen Dinge des Lebens: Wenn Klausuren anstehen, bitte ich für die nötige Konzentration, wenn ich in einer bestimmten Sache nicht weiter weiß, bitte ich um Rat.

Natürlich muss ich im Glauben beten. Wenn ich nicht im Glauben bete, darf ich nicht erwarten, dass Gott mir hilft. Er kann es natürlich, er will aber, dass ich davor glaube, dass geschieht, worum ich gebeten habe.

Zum Schluss möchte ich kurz von einer Gebetserhörung berichten. Es war so ein Moment in meinem Leben, an den ich mich sehr gut erinnern kann: Ich habe noch nie zuvor in einer derartigen Tiefe gebetet, ja, Gott sogar herausgefordert und lange dafür auf den Knien gestanden. Die Mutter einer guten Freundin von mir, die keinen Vater mehr hat, wurde mit einem bösartigen Tumor ins Krankenhaus eingeliefert. Die Ärzte gaben ihr nicht mehr viel Zeit, höchstens noch einige Wochen. Die ganze Situation brachte mich zum Nachdenken. Jeden Tag wurde es schlechter mit ihr, manche fingen schon an, innerlich von ihr Abschied zu nehmen. Ich wollte es versuchen, aber nicht nur aus „Try & Error“-Gedanken, sondern weil es mir wirklich wichtig wurde.

Wie gesagt, wurde dies das tiefgehendestes Gebet, an das ich mich erinnern kann. Ich betete für die Mutter meiner Freundin. Ich glaube, ich habe auch danach nie wieder geschafft, in so engen Kontakt mit Gott zu kommen. Es war ein seltsames Gefühl: Man kann sich selbst zwar Dinge vormachen und sich glauben machen, man sei Gott sehr nahe – aber das war es nicht. Es fühlte sich an, als ob nicht ich beten würde, sondern der heilige Geist selbst aus mir heraus. Ich denke heute, dass diese Verbindung von Gott ausging und nicht von mir.

Und dann geschah das Wunder, ob ihr es glaubt oder nicht. Die Ärzte ließen die Mutter der Freundin von mir gehen. Die Ärzte konnten sich das nicht erklären. Der Tumor sei zwar nicht verschwunden, aber er habe sich innerhalb kürzester Zeit so verändert, dass er nun nicht mehr bedrohlich wäre. Natürlich kann es sein, dass er wiederkommen würde, aber für den Moment bestehe keine größere Gefahr. Eine Operation wäre sowieso nicht in Frage gekommen, da dabei lebenswichtige Organe hätten entnommen werden müssen.

Das nächste Wunder war, dass sich die Frau bei mir bedankte. Ich hatte niemandem von meinem Gebet erzählt. Ich habe bis heute keine Ahnung, woher sie es wusste.

Betest du? Wenn du es noch nie versucht hast, dann warte nicht damit. Bete nicht, wie Dieter Bohlen es macht, der sich seinen imaginären Gott zusammengebaut hat und jeden Abend mit ihm „spricht“. Bete aufrichtig, bete ruhig herausfordernd, bete darum, dass Gott sich dir zeigt. Bete vor ernsten Situationen und sei gespannt, was Gott tun wird. Er sagt in seinem Wort:

Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen!

Und wenn du nicht weißt, wie man betet (Pfarrer lesen oft von einem Zettel ab – ich glaube nicht, dass das wirklich persönlich ist), dann versuch das: Stell dir vor, Gott sei dein Freund und ihr redet miteinander. Sprich mit ihm, wie mit einem Freund. Wenn er sieht, dass du es ernst meinst, wird er es nicht unerhört lassen. Du wirst sehen!

Jetzt die Frage an alle Beter: Wie sieht es bei euch aus? Welche Gebetserhörungen habt ihr erlebt?